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Tag 13

Nicht mal mehr die Häuser blinzeln. Alle Rollos bis auf Anschlag unten. Bei 39 Grad ist das wohl in Ordnung. Sonntag, keine Chance auf kühlendes to go. Keine Cafes, Tankstellen oder sonstige Angebote in den Dörfern. Mit der leeren Trinkflasche über’n Zaun winken und um Wasser bitten, hilft, wenn man dann mal jemanden sieht.
Bis Fürstenwalde wollte ich heute kommen. Der echte, originale Camping Platz von 1968 am Scharmützelsee bietet mir noch ein Plätzchen. Einer der Dauercampermänner übernimmt wegen des seit 18 Uhr geschlossenen Meldebüros den Vorgang der Registrierung. Die Dauercamperfrau kassiert. „Kannst schon hierbleiben, wo willste den auch noch hin bei der Hitze“, so ihre Motivation meinem Begehren zuzustimmen.
Cafe Dorsch am Seeufer, mit Lounge im Garten mit gehöriger Musik und eigenem Bootssteg mit schicken Yachten. Entsprechendes Publikum. Einzige Chance hier noch etwas zu essen zu bekommen. Die Bebauung und die Nutzung des höchst attraktiven Seeufers zeigt offensichtlich die jüngere Auseinandersetzung der Bewohner und derer die es werden wollen. Da gibt es offensichtlich noch nicht geklärte Eigentumsverhältnisse. Diese Grundstücke liegen brach. Die Gebäude sind dem Verfall preisgegeben. Da gibt es Chancen für Menschen mit Geld, die haben ihre schicken Burgen, bestückt mit Kameras, hohen Zäunen und Remoterolltoren. Zwischen diesen Villen, DDR-Bestand mit Lauben und verwitterten Partyzeltgaragen für die einfachen Autos.
Dann mehrgeschossige, hochwertige Neubauten deren Einheiten vermutlich als Ferienwohnungen veräußert werden. Berlin ist weniger als eine Autostunde entfernt.
Kann mir gut vorstellen, wie die Bewohner der Lücken zwischen den neuen, sehr teueren Objekten, unter Druck stehen.
Zum Cafe Dorsch gehen die nicht, die werden dort nicht bedient. Andere Möglichkeiten gibt es nicht mehr. Mit großer Wahrscheinlichkeit entstehen hier am See neue „Werte“. Unterwegs Spreewaldfeeling. Schmale, befahrbare Dämme, mit Holzstegen überdeckte Moore, kleine Brückchen. In Fürstenwalde erreiche ich die Spree.

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